Nach dem Spiel war die Zahl, die allen Nürnberger Anhängern im Kopf oder auf den Lippen lag nicht die Drei, sondern die Fünf. Trotz drei Toren von drei Spielern, die zu drei Punkten führten ging es viel mehr um die fünf Punkte Rückstand auf den Aufstiegsrang. Einige dürften sogar die Erinnerung an den letzten Aufstieg herausgekramt haben, als man am 22. Spieltag auch 33 Punkte hatte und damit sogar 6 Zähler hinter Rang Drei lag. Doch lud das Spiel gegen die Fortuna aus Düsseldorf wirklich zum Träumen ein? Geht da wirklich noch was?
Vor Wochenfrist hatte Trainer René Weiler bemängelt, dass seine Spieler den Kampf und die Zweikämpfe nicht angenommen hätten. Am Sonntagnachmittag zeigte der Schweizer sich dann äußerst zufrieden darüber, dass der Club ein „athletisches Spiel“ gewonnen hatte. Das lag nicht allein daran, dass der FCN etwas mehr als 50% seiner Zweikämpfe gewann – in Frankfurt waren es nur 45% – sondern auch daran, dass der Club das physische Spiel annahm und dagegen setzte. Das 3:1 gegen Union Berlin war damit gewissermaßen die Antithese zur Niederlage in Frankfurt und das obwohl im spielerischen Bereich durchaus noch Gemeinsamkeiten zu finden waren.
Nach einer derart langen Winterpause zu wissen, wo man sportlich steht, ist nicht einfach. Ist eine knappe Niederlage gegen den Tabellenführer der tschechischen Liga nun gut oder schlecht? Was sagt ein 0:2 gegen den Letzten der Bundesliga aus? Überwiegt der Eindruck der Ergebnisse oder der Eindruck der eher positiven Eindrücke? Nach 90 Minuten Pflichtspielfußball des FCN lässt sich ernüchtert konstatieren: Ergebnisse lügen nicht. Der Club verlor mit 1:2 beim FSV Frankfurt und dürfte nun Planungssicherheit für die kommende Spielzeit haben.
Die Nachricht, das Jahr mit einem Derby gegen Fürth beschließen zu müssen, hatte bei vielen in Nürnberg schon im Sommer unangenehme Flashbacks ausgelöst. Die unsägliche Schmach zu Saisonbeginn hatte die Ängste vor einer erneuten Heimpleite weiter angetrieben. Aus dieser Warte dürfte das Spiel am Samstagnachmittag Ängste gelindert haben, wer auf mehr Wiedergutmachung als ein „nicht verloren“ gewartet hatte, wurde aber enttäuscht. Stattdessen war das Spiel gegen den Lokalrivalen eine perfekte Zusammenfassung der Amtszeit von René Weiler: Defensiv sicher, vorne verbessert, aber von Einzelaktionen abhängig.
„Winning is a habit“ – Gewinnen sei eine Sache der Gewohnheit, so ein Ausspruch des legendären Footballtrainers Vince Lombardi. Er meinte damit, dass Siege weitere Siege produzieren, da sich der Kopf ans Gewinnen gewöhnt. Blickt man auf den FCN unter René Weiler kann man nur zu dem Schluss kommen, dass der erste Trainer, der einen Super Bowl gewann, recht hatte. Vier der fünf Spiele unter dem Schweizer wurden gewonnen. Die Mannschaft hat sich vom Kopf her dahingehend entwickelt, dass sie defensiv sicher steht und offensiv ihre Chancen verwertet. Gleichzeitig scheint der Blick auf die Chancenverwertung des Gegners am Mittwochabend auch den Schluss zuzulassen, dass sich auch die Gegner daran gewöhnt haben, dass der FCN gewinnt.