Wenn es vor drei Monaten nach dem Spiel in Gladbach auf Grund des Spielverlaufs an dieser Stelle noch hieß „so spielt ein Absteiger“, so muss nach dem 3:1-Erfolg in Berlin eindeutig das gegenteilige Urteil getroffen werden: Wer solche Spiele gewinnt, der bleibt drin. Kurioser, verrückter, glücklicher kann man ein Spiel eigentlich kaum gewinnen und doch, der erste Auswärtssieg der Saison des FCN ist geschafft. Gleichzeitig bedeutet der Erfolg auch das erste Verlassen der Abstiegsränge jedweder Sorte seit Ende September. Er bedeutet aber auch noch etwas anderes: Die Mannschaft ist effektiver, kaltschnäuziger, abgezockter denn je.
Was war es in der sieglosen Hinrunde beschworen worden: Das fehlende Glück. 15 Lattentreffer, eklatante Fehlentscheidungen, alles wurde nicht zuletzt mit fehlendem Glück begründet. Als Timothy Chandler nach 23 Minuten Rückrunde aufs Tor schoss, war klar, dass es in dieser Halbserie erstmal nicht so weiter gehen würde. Anders als mit Glück lässt sich das 1:0 des US-Nationalspielers nämlich kaum erklären. Ein harmloser Flachschuss, der nur durch die Berührung von Hoffenheims Vestergaard den Weg ins eigene Netz fand. Es war die Initialzündung zu einem gelungenen Nachmittag, zu einem gelungenen Start, zu einem gelungenen Auftakt.

Nein, der Schiedsrichter wird an dieser Stelle keines großen Kommentars gewürdigt. Natürlich war die übersehene Abseitsstellung vor Hannovers 2:3 drei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit spielentscheidend. Doch die Entscheidung war so offensichtlich falsch, dass dies keiner weiteren Auseinandersetzung bedarf. Was hingegen einer weiteren Auseinandersetzung bedarf, ist das erneute Einbrechen des FCN in der Schlussphase. Denn hätte der FCN einfach konsequent weitergespielt, bzw. eine seiner Konterchancen genutzt, das Schiedsrichterteam hätte noch weitere Abseitsstellungen übersehen können.
Was lässt sich nach 15 Spielen in Folge ohne Sieg noch sagen, das nicht schon an irgendeiner Stelle gesagt wurde? Was nicht in irgendeiner Form in den 14 vorangegangenen Spielen erwähnt worden ist? Es ist ein einsamer Rekord, den der FCN da am Freitagabend aufgestellt hat; der Rekord einer verwaisten Siege-Spalte in der Tabelle; ein Rekord, der in letzter Konsequenz nur in der Zweiten Liga enden kann – auch und gerade weil der Club gegen Mainz mal wieder die deutlich bessere Mannschaft war.
Treffen – wie im Verlauf der kommenden Woche wieder – Mannschaften aus unterschiedlichen Ligen aufeinander, so fällt oft der Begriff des Klassenunterschieds. Der soll ausdrücken, dass man es merkt – oder auch nicht – dass die Teams nicht in einer Liga spielen. Am Samstag, als der FCN in Leverkusen antrat, da war dieser Klassenunterschied auch zu spüren. Zwar spielen Bayer und der Club (noch) nicht in unterschiedlichen Ligen, es gibt also keinen Unterschied in der Spielklasse, aber doch lagen Welten zwischen Gastgebern und Gästen, es gab also einen Unterschied in der spielerischen Klasse; ein Unterschied, der sich auch im Ergebnis widerspiegelte.